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Mindestens acht Deutsche Opfer – Täter wohl vom IS

12. Januar 2016 20:15

Explosionen

Mindestens acht Deutsche Opfer – Täter wohl vom IS

Istanbul/Berlin (dpa) – Ein Selbstmordattentäter der Terrormiliz Islamischer Staat hat im historischen Zentrum Istanbuls mindestens acht Deutsche mit sich in den Tod gerissen. Kanzlerin Angela Merkel verurteilt den Anschlag als „mörderischen Akt“.

Unter den acht deutschen Opfern des Terroranschlags von Istanbul sind mehrere Touristen eines Berliner Reiseunternehmens. „Die schrecklichen Ereignisse des heutigen Tages machen uns tief betroffen“, sagte der Geschäftsführer der Lebenslust Touristik GmbH Berlin, Marco Scherer. Es müsse auch von einer größeren Zahl verletzter Reisender ausgegangen werden.

Ein Selbstmordattentäter hatte sich in der türkischen Metropole nach türkischen Angaben mitten in einer deutschen Reisegruppe in der Umgebung der Hagia Sophia und der Blauen Moschee in die Luft gesprengt und die Menschen mit in den Tod gerissen. Der 1988 geborene Attentäter habe dem IS angehört, sagte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu in Ankara. Insgesamt gab es nach türkischen Angaben zehn getötete Opfer sowie den toten Attentäter.

Zum Zeitpunkt des Anschlags seien 33 Menschen mit dem Berliner Reiseveranstalter in Istanbul unterwegs gewesen, hieß es. Die Touristen hatten nach Angaben von Geschäftsführer Scherer eine Pauschalreise gebucht und wollten von Istanbul aus weiter nach Dubai.

„Die Terroristen sind Feinde aller freien Menschen, ja, sie sind Feinde aller Menschlichkeit“, sagte Merkel. Die Kanzlerin betonte: „Genau diese Freiheit und unsere Entschlossenheit, gemeinsam mit unseren internationalen Partnern, gegen diese Terroristen vorzugehen, werden sich aber durchsetzen.“ Möglicherweise könne es noch weitere Todesopfer geben.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte, es habe acht getötete Deutsche gegeben, neun weitere Bundesbürger seien zum Teil schwer verletzt. Steinmeier sprach von „Stunden der Trauer, der Wut und des Entsetzens“. „Seit vielen Jahren hat uns Deutsche der Terror nicht mehr so schwer getroffen wie heute in Istanbul“, sagte Steinmeier. Zugleich versicherte er: „Wir dürfen und werden uns von Mord und Gewalt nicht einschüchtern lassen. Im Gegenteil: Gemeinsam mit unseren Partnern auf der Welt werden wir dem Terror auf allen Ebenen entgegentreten.“

Davutoglu sagte, alle zehn Todesopfer seien Ausländer gewesen. Nach früheren Angaben aus Regierungskreisen in Ankara waren 9 der 10 Todesopfer Deutsche. Ein weiteres Opfer stammt aus Peru, wie die Regierung in Lima mitteilte. Mindestens 15 Menschen wurden nach türkischen Regierungsangaben verletzt.

Bundespräsident Joachim Gauck reagierte bestürzt auf das Selbstmordattentat in Istanbul. „Wieder wurden bei einem hinterhältigen terroristischen Anschlag unschuldige Menschen ermordet, darunter viele Deutsche“, sagte das Staatsoberhaupt in einer Erklärung.

Davutoglu kündigte an, der Kampf gegen den IS werde fortgesetzt, bis die Terrormiliz keine Gefahr mehr darstelle. In einem Telefonat sprach Davutoglu Bundeskanzlerin Merkel sein Beileid und Bedauern aus. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan machte in Ankara einen „Selbstmordattentäter syrischer Herkunft“ für die Tat verantwortlich. Die Nachrichtenagentur DHA berichtete dagegen, der Attentäter stamme aus Saudi-Arabien und sei kürzlich aus Syrien in die Türkei eingereist. Saudi-Arabien und Ägypten verurteilten den Terroranschlag.

Das Auswärtige Amt in Berlin richtete nach Angaben Merkels einen Krisenstab ein. Nach dem Anschlag verhängte die türkische Regierung eine Nachrichtensperre. Zur Begründung teilte die Medienaufsicht RTÜK mit, ein solcher Schritt sei laut Gesetz möglich, wenn er der „nationalen Sicherheit“ diene. Eine dpa-Reporterin wurde von Polizisten daran gehindert, in der Umgebung des Anschlagsortes Fotos zu machen. Die dpa-Reporterin berichtete vor Ort von zahlreichen Polizisten sowie Rettungskräften. Auch Bombenentschärfer seien im Einsatz, sagte sie.

Der IS hatte im vergangenen Jahr mehrere Anschläge in der Türkei verübt, sich dabei aber vornehmlich auf kurdische Ziele konzentriert. Touristen waren bislang kein Anschlagsziel des IS.

Eine Reporterin von CNN Türk berichtete von schockierten Touristen, die nach der Explosion auf dem Pflaster gesessen hätten. Augenzeugen hätten gesagt, sie hätten einen Feuerball aufsteigen gesehen. Zu der Detonation sei es an dem ägyptischen Obelisken gekommen, der in der Nähe der Hagia Sophia, der Blauen Moschee und des Deutschen Brunnens steht. Die Explosion um 10.15 Uhr (Ortszeit/09.15 MEZ) war noch in einigen Kilometern Entfernung zu hören.

Unter den acht deutschen Opfern sind mehrere Touristen eines Berliner Reiseunternehmens. „Die schrecklichen Ereignisse des heutigen Tages machen uns tief betroffen“, sagte der Geschäftsführer der Lebenslust Touristik GmbH Berlin, Marco Scherer, laut einer Mitteilung.

Es wurden zunächst keine Angaben gemacht, woher die Opfer stammen. Zwei Vertreter der Geschäftsführung seien auf dem Weg nach Istanbul zu der Reisegruppe, hieß es. Auch Seelsorger sollten eingesetzt werden. Es gebe zwar einen Kontakt zum Reiseleiter am Ort, aber die Gruppe sei wegen der türkischen Nachrichtensperre abgeschirmt.

Für Angehörige wurde eine Hotline mit der Nummer 030 880013039 eingerichtet. Kunden, die einen Türkeiaufenthalt mit Beginn bis zum 31. Januar gebucht haben, könnten die Reise kostenfrei stornieren oder umbuchen. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben auf Gruppenreisen für Menschen „in den besten Jahren“ spezialisiert.

sueddeutsche

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